Weg(e) mit der Gewalt an Schulen

Bericht von der Veranstaltung unseres Kreisverbandes vom 23.10.2018

Rund 30 Kolleginnen und Kollegen nahmen an der vom KV Limburg organisierten Fortbildungsveranstaltung in der Limburger Stadthalle teil, in deren Mittelpunkt der Vortrag von Prof. Dr. Rainer Winkel zu diesem Thema stand.
     In ihrem Grußwort bringt die Vorsitzende Anna Held ihr Bedauern zum Ausdruck, dass kein/e Vertreter/in eines Staatlichen Schulamts an der Veranstaltung teilnahm, obwohl Einladungen rechtzeitig nach Marburg und Weilburg verschickt wurden. Auch die Abwesenheit von Mitarbeitern/innen des schulpsychologischen Dienstes stieß auf kein Verständnis, ist doch gerade dieser Personenkreis prädestiniert für die Mitwirkung in dieser wichtigen Problematik.
     Im Anschluss an die Begrüßung durch Anna Held und Sybille Herfurth führte ein kurzer Ausschnitt aus der ZDF-Dokumentation: "Blauer Brief für die Schule" in die Thematik ein. Danach begann Prof. Dr. Rainer Winkel sein Hauptreferat mit dem Thema: 
"Zorn und Wut, Angst und Gewalt in Schulen: Ursachen und Erscheinungsformen aggressiven Verhaltens und pädagogische Vernunft"

Sein Vortrag war keine Einbahnstraße. Er hatte es in drei Teile gegliedert, zwischen denen es Möglichkeiten zu Rückfragen und Kommentaren gab, wovon die Anwesenden regen Gebrauch machten und somit eine lebendige Diskussion schon zu Anfang in Gang kam.

Im ersten Teil stellte der Referent die bildungspolitischen Rahmenbedingungen dar. Dabei betonte er, dass es je nach Region zwischen den Schulen bezüglich Bausubstanz, Ausstattung, Personalversorgung etc. große Unterschiede gebe und man keine pauschalen Urteile über die Rahmenbedingungen fällen könne. Dennoch sei tendenziell zu erkennen, dass in vielen Schulen die Bausubstanz marode sei. Ressourcen für künftige Herausforderungen, wie beispielsweise die Inklusion, fehlten, in Brennpunktschulen immer häufiger deutsche Kinder in der Minderheit seien und dadurch die Lehrer/innen im Umgang mit der großen Zahl der Migrantenkinder aufgrund deren sprachlichen Defiziten und fehlenden Anpassung an das soziale Umfeld überfordert seien. In Berlin seien mindestens 50 von 700 Schulen als Brennpunktschulen anzusehen. Obendrein herrsche schon jetzt ein Mangel von 30.000 Lehrerstellen, vor allem im Grundschulbereich, und die Besetzung mit Seiteneinsteigern/innen ohne Ausbildung sei ein Zeichen fehlgeschlagener Bildungspolitik.
   Im zweiten Teil seines Vortrags zeigte Winkel anschauliche Beispiele, wie Gewalt in Schulklassen entstehen kann: Da wurde von einem arabischen Jungen berichtet, dessen Familie einerseits von Hartz IV, andererseits von Drogengeschäften lebt, in welcher das Kind von Anfang an Gewalt als Teil seines Lebens erfahren hat. im zweiten Beispiel zeigte er auf, wie kindliche Lernmotivation durch demotivierendes und pädagogisch falsches Lehrverhalten in der Schule zerstört werden kann. Mangelnde Zuwendung durch Eltern mit der Folge, dass dies bei der Lehrerin aggressiv eingefordert wird, war ein drittes Beispiel, wie auch die Zunahme sexualisierter Gewalt und Mobbing in modernen Medien.
   Wie kann man nun als Lehrer/in vor dem Hintergrund dieser Entwicklungen bestehen? Im dritten Teil seines Vortrages mahnte Winkel vor allem eine Renaissance bewährter Bausteine der Pädagogik an: Dazu gehören die Aufstellung klarer, einfacher Regeln, die auch einzuhalten seien, darüber hinaus die verstärkte Zusammenarbeit mit den Elternhäusern; vieles, was früher einmal selbstverständlich war, müsse nun mit Eltern schriftlich vereinbart werden. Ferner sei auch viel mehr als früher Teamarbeit in den Kollegien von elementarer Bedeutung. Trotz - oder gerade wegen - der offenbaren Veränderungen gewinne die Pädagogik immer mehr Bedeutung vor der Wissensvermittlung.

Ab zwölf Uhr begann die eineinhalbstündige Mittagspause, in der sich die Teilnehmer/innen an einem umfangreichen Buffett stärken konnten, bevor in drei Arbeitsgruppen die Thematik ausführlich vertieft wurde. Wie bedeutend diese war, zeigte sich auch darin, dass nicht nur die örtliche Presse, sondern auch der Hessische Rundfunk mit einer Reporterin am Nachmittag zu Gast war.