Grundschulen am Limit – keine Amateure als LehrerInnenersatz!

Kreisvorstände der GEW Limburg und Oberlahn überreichen MdL Andreas Hofmeister (CDU) den grün-schwarzen Sparzwerg.

Die Kreisverbände Limburg und Oberlahn der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft Hessen kamen in dieser Woche nicht mit leeren Händen zu Andreas Hofmeister (MdL der CDU Hessen) und dem Vorsitzenden des Schulausschusses Manuel Böcher: Sie überreichten einen schwarz-grünen Sparzwerg mit dem Schlusslicht Hessen und dem gepackten Koffer als Symbol für die Abwanderung von Grundschullehrkräften in andere Bundesländer, die bereits nach A13 zahlen, und der Botschaft, dass der Beruf Grundschullehrkraft auch in Hessen mehr Anerkennung und Wertschätzung erfahren muss. Statt einer beschönigenden Darstellung der Situation bedarf es angemessener Maßnahmen, um Grundschullehrkräfte für Hessen zu gewinnen! Eine Besoldung nach A 13 ist eine angemessene Maßnahme, die auch die mittelbare Diskriminierung des Frauenberufs „Grundschullehrkraft“ beheben würde“ , so Anna Held, Vorsitzende des GEW Kreisverbandes Limburg. In jedem Jahr ist für die GEW der 13. November der Tag, an dem die Bezahlung der Grundschullehrkräfte im Vergleich zu allen anderen Lehrämtern in Hessen rechnerisch endet. Lehrerinnen und Lehrer an Grundschulen werden in Hessen nach A 12 besoldet, während ihre Kolleginnen und Kollegen an allen anderen Schulen nach A 13 bezahlt werden. Gemessen an der Besoldungsgruppe A 13 arbeiten die Grundschullehrkräfte mit ihren geringeren Bezügen nach A 12 ab dem 13. November umsonst.

„Seit fünf Jahren führt die GEW Hessen eine Kampagne „A 13 für alle!“ durch, der sich andere GEW-Landesverbände angeschlossen haben. Diese Kampagne kann bereits einige Erfolge vorweisen: „Inzwischen haben sieben Bundesländer beschlossen oder angekündigt, Grundschullehrerinnen und Grundschullehrern nach A 13 zu besolden oder ihnen EG 13 als tarifliches Gehalt zu zahlen“, berichtet Antje Barth, Vorsitzende des GEW Kreisverbandes Oberlahn.

Im Jahr 2019 steht Hessen im bundesweiten Vergleich der Grundschul-Besoldung abgeschlagen an 13. Stelle. Hinzu kommt, dass die Unterrichtsstundenverpflichtung in Hessen am höchsten ist.

Grundschullehrkräfte erhalten zum Berufseinstieg in Bremen ein um 7.823 Euro höheres Jahresgehalt. Sachsen bietet bezogen auf ein Berufsleben von 40 Jahren einer ledigen Lehrkraft rund 311.000 Euro mehr Gehalt als Hessen. Aber auch der Unterschied im Lebensarbeitszeiteinkommen zwischen Hessen und Bayern, beides A-12-Länder, fällt mit einer Differenz von rund 118.000 Euro deutlich aus.

Die GEW hat nachgewiesen, dass der Mangel an ausgebildeten Lehrkräften an hessischen Schulen in den kommenden Jahren sehr viel größer sein wird als vom Kultusminister angegeben. Danach wird die Lücke zwischen dem Lehrkräfteeinstellungsbedarf und dem entsprechenden Lehrkräfteangebot im Schuljahr 2022/23 und 2023/24 bei 1.450 bzw. 1.300 liegen. Die Kultusministerkonferenz hatte für Hessen für die entsprechenden Schuljahre einen Lehrkräftemangel von gut 600 bzw. rund 400 Personen prognostiziert. Aus Untersuchungen des Hessischen Kultusministeriums ist bekannt, dass es schon jetzt Grundschulen gibt, an denen der Unterricht im Umfang von bis zu 20 Prozent von hierfür nicht ausgebildeten, sogenannten Vertretungslehrkräften gehalten wird! „Dass ausgerechnet die jüngsten Schülerinnen und Schüler in der Grundschulbildung um ihre bestmögliche Förderung und besten Chancen gebracht werden, wird von Regierungsseite billigend in Kauf genommen“, so Anna Held. „Schlimmer noch ist aber, dass Amateure als Quereinsteiger in Grundschulen eingestellt werden, die die Leistungen der Schülerinnen und Schüler beurteilen, teils ohne jegliche pädagogische Vorerfahrung. Da können nur qualifizierte KollegInnen herbei springen und das Schlimmste verhindern.“

Ob Herr Hofmeister die Forderung der GEW, die Besoldungsanpassung auf A13 - und damit die Wertschätzung und Gewinnung der Grundschullehrkräfte in Hessen zu stärken - vehement in Wiesbaden vertreten wird, steht dahin, die berechtigten Sorgen durch Überlastung von Aufgabenfeldern wie der Inklusion u.a. habe er aber „sehr wohl wahrgenommen“.